an der UNI Luzern
Im ersten Vortrag: „Stromloch im Winter; scheitert unsere Energiewende“ zeigte Martin Schlumpf auf, inwieweit verschiedene Optionen – darunter Wasserkraft, Photovoltaik, Windenergie, Batterien, Wasserstoff, Biokraftstoffe und Kernenergie – dieses Loch stopfen könnten. Die Analyse basiert auf quantitativen Abschätzungen und legt die jeweiligen technischen und systemischen Grenzen offen und führt zu folgenden fünf Kernsätzen:
- Die Schweiz hat schon heute ein strukturelles Winterproblem: höherer Verbrauch trifft auf weniger Wasserkraft und extrem geringe PV-Produktion.
- Die Kernkraftwerke stabilisieren dieses System heute, da sie im Winter maximal verfügbar und hoch ausgelastet sind, während PV bei Wolken, Schnee und geringer Sonneneinstrahlung praktisch ausfällt.
- Bis 2050 wird der Stromverbrauch stark ansteigen. Trotz Ausbaus der Erneuerbaren wird ein Winter-Stromloch von rund 16–19 TWh (≈50 % des Bedarfs im Winter) entstehen.
- Die meisten Alternativen (Speicher, Wasserstoff, PV, Wind) sind in der nötigen Grössenordnung zu teuer, zu flächenintensiv, zu materialintensiv oder technisch unzureichend.
- Im direkten Vergleich ist die Kernenergie die mit Abstand effizienteste Lösung hinsichtlich Fläche, Kosten und Winterverfügbarkeit – während PV im Mittelland am schlechtesten abschneidet und zudem zusätzlich Netzausbau und Speicherkapazität erfordert.
Sein Fazit: Nur mit Kernenergie – im Verbund mit der Wasserkraft – lässt sich bis 2050 im Winter eine sichere Stromversorgung aufrechterhalten.
Zur Verdeutlichung dienen die zwei Graphiken auf Seite 6 und 19 in seinem Vortrag.
In der anschliessenden Diskussion wird die massive, einseitige Subvention der Erneuerbaren angeprangert (bis heute ca. 35 Milliarden und bis 2050 total ca. 80 Milliarden). Gleichwohl müsse im Winter Strom importiert oder mittels Gaskraftwerke eine Mangellage verhindert werden und im Sommer führe dies zu einer Stromschwemme mit negativen Strompreisen.
Beim zweiten Vortrag von Marc Vogel ging es um die Fragilität unserer Stromversorgung im Europäischen Netz
Das Stromnetz ist europäisch. Die Schweiz ist mit 41 Grenzleitungen in das europäische Stromnetz eingebunden. Diese Verbindungen gewährleisten einen ständigen Stromaustausch mit den Nachbarländern und sind entscheidend für die Stromversorgung in der Schweiz.
Ohne Strom ruht unsere Welt. Praktisch alles funktioniert nicht mehr, vom Telefon von der Heizung bis zur Wasserversorgung. Der Bund sieht in einem Black out eine grössere Gefahr als in einer Pandemie. Blackout und Strommagellage sind aber nicht dasselbe.
Der Referent gab einen Rückblick in die Geschichte der schweizerischen und europäischen Stromversorgung, welche 1958 zum «Stern von Laufenburg» führte. (Netzzusammenschluss der Schweiz mit Deutschland und Frankreich). Das europäische Stromnetz verbindet 32 Staaten zwecks Netzstabilität, Stromaustausch und gegenseitiger Hilfe. In der Schweiz besteht eine klare Importabhängigkeit im Winter.
Es gibt eine Vision für ein europäisches Supergrid mit gemeinsamen Spielregeln, bei welcher Windkraft und PV massiv ausgebaut werden soll. Die Schweiz ist das einzige Land in Kontinentaleuropa, welches diese Spielregeln bisher nicht durch ein Stromabkommen anerkannt hat. Das europäische Supergrid ist nach Ansicht des Referenten essenziell für die Integration der Schweiz. Deshalb sei das Stromabkommen zu bejahen. Mit dem Stromabkommen könne die Schweiz mitgestalten, die Versorgungssicherheit werde kostengünstiger. Ein Weiter, wie bisher gäbe es nicht. Solange die Verhandlungen liefen, werde die Schweiz teilweise geduldet, obwohl sie bereits von vielem ausgeschlossen sei.
In der anschliessenden Diskussion wird dieser Ansicht teils heftig widersprochen. Man gehe bei den Erneuerbaren immer von der installierten Leistung aus. Die tatsächliche Produktion jedoch zeige ein ganz anderes Bild.
Die beiden Referate gaben genügend Stoff für Gespräche beim anschliessenden Apéro
Peter Bucher-Studer v/o Capo
Vortrag ‚Stromloch im Winter‘ von Martin Schlumpf als PDF
Vortrag ‚Das Stromnetz ist europäisch‘ von Martin Vogel als PDF
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