Martin Stadler v/o Xerx

Martin Stadler v/o Xerx

15. September 1935 – 12. Juli 2021

Aktiv 1960 – 1963
Gründer Bierfamilie Xerx
Dipl. Elektroingenieur HTL

Xerx ist nach akuter, schwerer Krankheit am Montag, 12. Juli 2021 friedlich eingeschlafen und uns voraus gegangen ist.

Seiner lieben Gattin Pia Stadler und den Familienangehörigen sprechen wir im Namen der AV Gundoldinger das herzliche Beileid aus.

Wir sind traurig und doch getragen von grosser Dankbarkeit für die langjährige Freundschaft und Geselligkeit die Xerx unserer Verbindung geschenkt hat.

R. I. P. Möge Xerx im Frieden ruhen!

Nekrolog

Und wieder müssen wir von einem Gründer unserer Verbindung Abschied nehmen. Nach kurzer schwerer Krankheit ist Xerx am 12.7.2021 von seinem Leiden erlöst worden.

Xerx erblickte am 15.9.1935 im Eisenbahnerdorf Erstfeld das Licht der Welt. Er durfte in der Grossfamilie mit 8 Geschwistern eine unbekümmerte Jugendzeit verbringen. Sein Vater arbeitete, wie viele andere Erstfelder, bei der Eisenbahn. Sein ältester Bruder war Abteilungsleiter bei der Pfadi und so erlebte Martin frohe Stunden bei dieser frohen Schar. Ein besonderes Erlebnis war die Rom- Wallfahrt der Venner im Heiligen Jahr 1950. Eine solche Reise, als Sekundarschüler, war damals noch ein seltenes Ereignis, das ihm in besonderer Erinnerung blieb. In der Pfadi fand er auch die Liebe zum Orientierungslauf, der damals noch in den Anfängen steckte. Mit Erfolg beteiligte er sich mit seiner Pfadigruppe an den jährlichen Urner OL Läufen.

Xerx und Tasso in der Pfadi

Wissensdurstig begann er 1958 sein Studium als Elektro-Ingenieur am neu gegründeten «Technikum» in Luzern an. Ein Patronats-Komitee aus SchStV-Altherren engagierte sich für die Gründung einer Studentenverbindung an dieser neuen Schule.  Der Alt-Ruithone Babtist Arnold v/o Specht, Direktor des EWA, bearbeitete und empfahl Tasso an dem Eröffnungstreffen mit Nachtessen teilzunehmen. Um nicht allein dorthin zu gehen, bat er seine Urner Klassenkameraden Pluto, Pongo und Xerx ihn zu begleiten. So wurden diese vier zu Gründungsmitgliedern der Gundoldinger.

Xerx an der Cortege 1959 anlässlich der Fahnenweihe

Xerx unterbrach sein Studium um seinen Offiziersrang abzuverdienen und schloss 1963 mit dem Diplom als Elektro-Ingenieur ab. Im selben Jahr fand die GV des Schweizerischen Studentenvereins in Mendrisio statt. Es war ein sehr schönes Fest und der Merlot floss in die dafür ungewohnten Kehlen. Eine Anekdote dieses Anlasses mit Xerx ist geblieben.

Die Gundoldinger Aktiven und Altherren übernachteten in Zelten auf einer Anhöhe. Xerx mit Plus und Zwack waren im gleichen Zelt und losten um Matratze und Schlafsack. Ein Kommilitone nutze seinen Occasions-Opel Olympia und ruhte sich auf dem Mitfahrersitz aus, dessen Rückenlehne er dafür abmontieren konnte. Xerx mit seinen Kommilitonen rollten etwas später das Fahrzeug mit dem Schlafenden den Buckel hinunter und liessen es mitten im Hang, mit Steinen gesichert, stehen. Am Morgen freute sich Xerx und die ganze Truppe zu verfolgen, wie der «Arme» in Schräglage erwachte und sich befreite.

Wie von Knips berichtet, boten an wichtigen Stämmen, Xerx mit Iltis die Klassiker-Produktion als Baron und Johann und brachten damit alle Anwesenden zum Lachen!

Xerx und Iltis als Baron und Johann

1964 arbeitet Xerx als Elektroingenieur in Dübendorf bei der AMF. Sven war in Oerlikon bei der MFO tätig und fuhr am Anfang über das Wochenende mit dem Zug nach Hause. Am Sonntagabend durfte Sven in Luzern bei Xerx zusteigen. Dabei entstand eine enge, schöne   Freundschaft.

Zu seinem Schicksalstag wurde der 26. Januar 1964. Zusammen mit Plus, dessen Lehrling und der Nichte nahm Xerx, bei prächtigem Sonnenschein die «Veltlinertour» von der Oberalp über den Calmot nach Dieni in Angriff. Am Ende der ersten Abfahrt stürzt Xerx so unglücklich, dass er sich den 5. Brustwirbel bricht und das Rückenmark quetscht. Er hat unsägliche Schmerzen und spürt seine Beine nicht mehr. Plus eilt ihm zu Hilfe und merkt, dass er Unterstützung braucht. Er sieht Tasso, der mit seinen Geschwistern auf der gleichen Tour ist und bittet ihn zu helfen. Leider gab es damals noch keine Handys und keine Rega. Glücklicherweise war aber ein Rettungsschlitten im Tal stationiert. Vorsichtig lagerten sie

Xerx auf den Schlitten und fuhren talabwärts, ohne Piste, zur Bahnlinie. Tasso eilte der Bahnlinie entlang in Richtung Tschamut um den Zug aufzuhalten und den Einlad auf offener Strecke zu veranlassen. Das klappte und sie konnten den Verunfallten in den Gepäckwagen verladen. Das Zugpersonal avisierte den Rettungsdienst, so dass bei der Ankunft in Andermatt die Ambulanz bereitstand und die erste Hilfe leisten konnte. Die erste medizinische Behandlung erhielt er im Spital Altdorf. Es folgen Behandlungen im Inselspital Bern, im Waidspital Zürich. Mit eisernem Willen unternimmt Xerx alles, um wieder ein selbständiges Leben führen zu können.

Seine Tochter Renata hat uns einen berührenden Bericht über das Leben von Vater Xerx im Rollstuhl zur Verfügung gestellt, woraus nachfolgend wichtige Phasen kurz dargestellt werden.

Im Herbst 1966 kämpft sich Xerx zurück und kann im Rollstuhl in Dübendorf wieder die gleiche Aufgabe in der Flugzeugavionik ausfüllen. 1971 wechselte Xerx nach Emmen, um sein beim Eintritt gehegtes Ziel, als Flugzeugversuchsingenieur, auch aus dem Rollstuhl auszuüben.

Zusammenarbeit bei Flugerprobung einer Mirage, Testpilot mit Xerx

Im Beruf avanciert Xerx zum Flugzeugsevaluationsteam, wo er 1978 mit dem Team nach USA zur Endabnahme des Tigers F5 fliegt.

In seine Freizeit betreibt Xerx mit grossem Elan Behindertensport und er nimmt für die Schweiz 1976 an den Paralympics in Toronto teil, wo er sehr erfolgreich mit der Mannschaft im Bogenschiessen und einzeln im Kleinkalieber-Dreistellungskampf, je eine Silbermedaille gewinnt!

Paralympics 1976 Toronto Zweifache Silbermedaillen-Gewinner Xerx

1983 heiratet Xerx seine Pia, die ihm 2 gesunde, grossartige Kinder, Renata und Manuel schenkt.

1985 absolviert Xerx berufsbegleitend, ein 2jähriges Studium in Unternehmensführung.

1994 zieht die Familie in das rollstuhlgerechte Haus in Sigigen bei Ruswil ein.

Im Jahre 2000 geht Xerx in die wohlverdiente Pension.

Renata zieht für Ihren Vater und für Rollstuhlfahrer in ähnlicher Lage den Schluss, dass mit Willen, und einer positiven Lebenseinstellung ein modernes, erfolgreiches Leben auch mit Paraplegie möglich ist, wie das Xerx grossartig vorgelebt hat.

Für Xerx war die Familie sehr wichtig, so hat er sich auch für Manuel bei Sven für eine Stelle bei Daetwyler in Bleienbach, am Flugplatz interessiert, wo verschiedene Firmen zusammen ein automatisches Fertigungscenter für Kleinteile-Serien erstellt haben. Den Besuch mit der Möglichkeit, seine Flugzeuge im Schauraum zu sehen, hat ihm grosse Freude bereitet.

Xerx mit Pia besuchte Sven und seine Frau Rosemarie, um dem behinderten Sohn Felix seinen Stehrollstuhl zu schenken, den er nicht mehr nutzte. Es zeigte sich, dass Anpassungen und weitere Abklärungen nötig waren. Xerx hat darauf seine Beziehungen zur Ortothec in Nottwil und zum Lieferanten LEVO in Wohlen genutzt und daraus entstand ein 2jähriges Projekt mit vielen Schwierigkeiten, das nur dank dem engagierten Einsatz von Xerx, nach 25 Sessionen, zum Erfolg geführt werden konnte. Xerx hat in allen wichtigen Entwicklungsschritten des neuen Stehrollstuhls mitberaten.

Stehrollstuhl in Entwicklung zusammen mit Xerx
Stehrollstuhl fertig in Betrieb

Die Teams von Orthotec und LEVO feierten nach 2 Jahren Entwicklung mit Felix, den Eltern und dem Betreuer, das neue Gerät, das nur Dank von Xerx, zum Erfolg geführt werden konnte. Felix kann seither jeden Tag mehrmals stehen.

Xerx hat mit seiner Initiative, der langen eigenen Erfahrung, und dem Wissen dieser komplexen Problematik, die viele nicht als lösbar glaubten und sich zurückzogen, mit geholfen, dass heute solche Geräte auch für ähnliche Fälle genutzt werden können. Er hat sich darüber sehr gefreut.

Dieser Einsatz von Xerx, zeigt den wahren Wert unserer Verbindung!

Vor einigen Wochen hat Xerx im Kantonsspital Luzern die Diagnose einer Leukämie- Erkrankung erhalten mit der Empfehlung einer sofortigen Chemotherapie. Nach vielen Gesprächen mit seiner Familie hat er aus eigenem Willen darauf verzichtet im Wissen, dass er ein erfülltes Leben im Beruf und mit seiner Pia, der Tochter Renata und dem Sohn Manuel führen durfte. Er entschied sich so für einen würdevollen Weggang und wurde vorerst in seinem Spital in Nottwil und danach im Hospiz in Littau gepflegt! Innerhalb von 6 Wochen ist er von uns gegangen.

Dem Gründungsmitglied der Gundoldinger Xerx danken wir für die schöne, langjährige Freundschaft und seine vorbildliche Lebenseinstellung! Wir werden Dich ehrend in Erinnerung behalten.

Xerx ruhe in Frieden!

16. August 2021, Hans Regli v/o Tasso und Heinrich Marti v/o Sven

Über Gundoldinger

Die Pflege der Freundschaft und des studentischen Frohsinns (Amicitia), die Unterstützung der wissenschaftlichen Bildung (Scientia) und Anstreben von Gerechtigkeit, Besonnenheit und Wahrung ethischer Grundsätze (Virtus) stehen im Mittelpunkt des Verbindungslebens. Mehr erfahren

Komitee

Aktivitas Senior :            Philipp Riklin v/o Sörmu
senior@gundoldinger.ch

Altherren Präsident :   Max-Peter Felchlin v/o Hähä  ahp@gundoldinger.ch